Renate von Babka (2010):

 

Die Kronen-Apotheke in Peterswald, genannt Alte Apotheke, Haus Nr. 2 - Biografie eines Geschäftsgebäudes

 

Überlieferungen zufolge befand sich die erste Peterswalder Apotheke bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Gemeindegasthof Zur Post im Mitteldorf. Am 31. März 1860 verkaufte das k.u.k. Aerar das Richter- und Postgut an die hiesige Gemeinde für 10.347 Gulden u. 26 Kreuzer österreichischer Währung. Von diesem Eigentümerwechsel betroffen war auch das Expeditionsgebäude Nr. 2. Ein auf dessen Grundmauern errichteter Neubau beherbergte nachmals die Apotheke. Aus der ersten Volkszählung im Jahre 1869 geht hervor, dass dieses Gebäude zu jener Zeit dem aus Kulm stammenden Zimmermann Josef Mirsch (* 1812) und seiner Ehefrau Karolina (* 1811) gehörte. Um 1870 erwarb Magister Stolz dann das Gebäude vom greisen Josef Mirsch, der jedoch bis zu seinem Tod das Wohnrecht innehatte. Ob auch Magister Stolz im Gebäude lebte oder dort nur sein Geschäft betrieb, kann nicht mehr ermittelt werden. Vermutlich lebte er aber mit seiner Familie im Haus Nr. 195, wie der Sterbeeintrag seiner früh verstorbenen Tochter Ernestine im Jahre 1875 vermuten lässt. Ohnehin scheint Magister Stolz Peterswald wenig später den Rücken gekehrt zu haben, da es keinerlei Hinweise auf ein Wirken nach 1875 in der Gemeinde von ihm gibt. 

 

Im Jahr der Volkszählung von 1880 lebte im Haus Nr. 2 der k.u.k. Postmeister Ignaz Mainl mit seiner 20 Jahre jüngeren Ehefrau Julia, geb. Schäfer (* 1848). Er erwarb zwar das Anwesen am 16. Januar 1883 käuflich, doch war die Apotheke weiterhin hier untergebracht – ein Zustand, der bis 1945 dauern sollte. 

 

Als Nachfolger Johannes Stolz‘ im Amt des Apothekers begegnet uns in den Annalen Karl Firbas. Auf ihn folgte wahrscheinlich Magister Rudolf Lochschmidt, der im Rahmen einer weiteren Volkszählung im Jahre 1921 als Eigentümer des Hauses vermerkt ist. Mündlichen Überlieferungen zufolge war er bis etwa 1930 als Apotheker tätig. Geboren wurde er am 24.9.1885 in Fischern bei Karlsbad.

 

Als nächster und letzter sudetendeutscher Apotheker wird Arthur Werfel genannt. Er war jedoch nicht Eigentümer des Hauses Nr. 2, sondern er hatte die Räumlichkeiten vom Zahntechniker Friedrich Schneider gemietet. Dieser verstarb am 30. September 1939. Seine kinderlose Witwe Katharina verkaufte das Haus zwei Jahre später, am 5. September 1941, an Franz und Hedwig Beil geborene Güttler, die Eltern der Verfasserin dieser Abhandlung. Herrschenden Konventionen zufolge behielt sich die Vorbesitzerin ein lebenslanges Wohnrecht vor. Das Ehepaar Beil plante, nach dem Zweiten Weltkrieg im Gebäude ein Elektrogeschäft einzurichten, da die bisher zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten im Haus Nr. 193 mittlerweile zu klein geworden waren. Zum Umzug des Gewerbes kam es nicht mehr; im September 1946 wurden die Beils aus Peterswald vertrieben.

 

Einige Jahre später fand das Haus als Lebensmittelkonsum seine Verwendung. Nach umfangreicher Renovierung im Jahre 2006 wurden die Räumlichkeiten der ehemaligen Apotheke an Vietnamesen vermietet, die hier gegenwärtig einen Laden für allerlei Waren betreiben.