Dem Barockkreuzspender auf der Spur

Renate von Babka 2009

 

 

Bis in die Gegenwart hinein ist über Josef Beil, den Spender des barocken Peterswalder Friedhofkreuzes, das nach umfangreicher Restaurierung durch den Bildhauer Bilek am 31. Mai 2008 vom stellvertretenden Bischof von Leitmeritz, feierlich neu geweiht wurde, wenig bekannt. Auch sein Sterbeeintrag ist unauffindbar. In den in Leitmeritz verwahrten Peterswalder Kirchenbüchern existiert jedoch der Sterbeeintrag seiner Witwe, Rosina Beil, die am 12. März 1799 im Alter von 78 Jahren einer Geschwulst erlag. Eine exakte Identifizierung ist auf Grund einer Notiz im Rahmen der Eintragungen möglich. Dort heißt es, dass Rosina die Witwe des Josef Beil, des Spenders des steinernen Kreuzes auf dem Kirchhof und der Kanzel gewesen sei. Ihr Tod erfolgte im Haus Nr. 12. Dies löst Verwunderung aus, da immer die Rede davon war, dass der Spender Josef Beil, genannt Peilbauer, im Haus Nr. 192 gelebt haben soll. Dem muss aber entgegen gehalten werden, dass die Peterswälder oft umgezogen sind und sich im Alter häufig in einem Ausgedingehaus oder bei ihren Kindern und Verwandten niedergelassen haben.

 

Dass der Barockkreuzspender Josef Beil neben dem Barockkreuz auf dem Friedhof und der Kanzel für die Kirche noch eine weitere – allerdings nicht ganz uneigennützige – Wohltat begangen hat, bezeugt folgender, im Aussiger Boten von F. Kriesche im Juli 2004 veröffentlichter Aufsatz:

 

Bewaffnete Auseinandersetzungen sowie Kauf und Verkauf von Ländereien führten in früheren Zeiten mehrmals zur Änderung der böhmisch-sächsischen Grenze zwischen Peterswald und Hellendorf. Dabei legten die Sieger bzw. Vertragspartner den neuen Grenzverlauf meist nur in groben Zügen fest. Das hatte zur Folge, dass umstrittene Bereiche entstanden, die oft zu Diebstahl von Getreide, Hackfrüchten und Holz führten. Länger als drei Jahrhunderte zogen sich die Fehden hin.um den Streitereien ein für allemal Einhalt zu gebieten, schlug gegen Ende des 18. Jahrhunderts Sachsen vor, den Verlauf der Staatsgrenze vom Grenzstein Nr. 932 im sogenannten Mordgrund in der Nähe des Gutes Bienhof bis zum Rundell, etwa vier km lang, zu begradigen und neu zu bestimmen. Eine paritätisch zusammengesetzte Kommission aus den beiden angrenzenden Staaten Böhmen und Sachsen sollte diese komplizierte und heikle Aufgabe lösen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge und zeigten keine Ergebnisse. Da griffen die sächsischen Kommissionsmitglieder zu einem Mittel, das auch in den heutigen Tagen Erfolg verspricht. Sie luden ihre böhmischen Mitwirkenden zu einem Essen mit anschließendem Trinkgelage in den Hellendorfer Gasthof ‚Zum Erbgericht‘ ein und vergaßen dabei nicht, ihnen einige Golddukaten mit auf den Nachhauseweg zu geben. Damit war die Grundlage für einen Vergleich gelegt. Dieser fiel wie zu erwarten zugunsten der Sachsen aus.

 

Durch die neue Grenzlinie verloren fast alle Peterswalder Anrainer Landbesitz. Sie strengten deshalb einen Prozeß gegen die Entscheidung der Kommission an, doch zog sich dieser in die Länge und wurde erst nach 40 Jahren, als das letzte Peters-walder Kommissionsmitglied verstorben war, eingestellt. Über die Prozeßkosten drang nie ein Wort an die Öffentlichkeit. Nur zwei Ackersmänner des böhmischen Erzgebirgsdorfes, die Besitzer der Wirtschaften 15 und 22, waren persönlich bei der Kommission vorstellig geworden und hatten erreicht, dass ihre Felder ungeteilt in ihrem Besitz blieben. Als die zur Abgabe von Land betroffenen Bauern davon hörten, warfen sie den beiden vor, mit klingender Münze ihrem Anliegen nachgeholfen zu haben. Diese wiesen jedoch die Anschuldigung entrüstet zurück und erklärten, dass Gott ihnen beigestanden habe und sie ein sichtbares Zeichen des Dankes setzen werden. Das Versprechen hielten sie ein. Der Besitzer des Hofes Nr. 15, Josef Beil, stellte am 16. November 1788 vor seinem Haus an der Dorfstraße eine Muttergottesstatue auf, die noch heute steht. Die Inschrift lautet:

 

‚Ach herzallerliebste Mutter mein, Dir lasse ich meine Seele befohlen sein, bitte für mich Jesu Dein liebstes Kind, daß er mir verzeih die Sünd! – Vater unser –Ave Maria den 16. Nov. Anno 1788‘.

 

Der Bauer der Wirtschaft 22, Georg Schönbach, errichtete am 8. Mai 1803 – wenn auch zu Beil verspätet – ein langes Holzkreuz, das sogenannte ‚Jogelnatzkreuz‘, früher auch ‚Schimichkreuz‘ genannt, mit zwei sakralen Bildnissen am Bienhofer Weg, das nach mehrmaliger Ausbesserung durch dessen Sohn Anton – am 26. August 1825 hat er es rot anstreichen lassen – verfiel. Laut Kaufkontrakt vom 5. April 1809, Absatz 12, Grundbuch Nr. 5, ist der Besitzer der Bauernwirtschaft Nr. 22 zur Unterhaltung dieses Kreuzes auf alle Zeit verpflichtet. Den Konflikt konnten die beiden Bauersleute dadurch allerdings nicht beilegen; er schwelte weiter und ebbte erst nach Jahren ab. Die Peterswalder aber bezeichneten seitdem die an Sachsen grenzenden Felder von Beil und Schönbach mit dem Flurnamen ‚Streitwiesen'.

 

Wer bis dato der Meinung war, dass der Barockkreuz-Spender aus rein religiösen Gründen gehandelt hatte, wurde nun eines Besseren belehrt. In Anbetracht der letzten Worte auf dem Sockel der Marienstatue vor dem Haus Nr. 15 – […] daß er mir verzeih die Sünd! – wird deutlich, dass die vom Landverlust betroffenen Bauern damals vielleicht damals nicht ganz Unrecht mit ihrem Groll hatten. Möglicherweise plagte Josef Beil das schlechte Gewissen und er hatte gehofft, sein Seelenheil mit der Errichtung eines derartigen sakralen Kunstwerkes erkaufen zu können. Wie dem auch sei; auf jeden Fall hat er der Nachwelt Wunderbares hinterlassen. Für das Barockkreuz auf dem Friedhof, die Marienstatue vor dem Haus Nr. 15 und die (leider heute nicht mehr existierende) Kirchenkanzel gebührt ihm höchster Dank.