Die Orgelbauerdynastie Feller aus Königswald

In Königswald gründete Franz Joseph Feller, *1787 +1843, um das Jahr 1813 eine Werkstatt, die später

seine Söhne Franz *1815 +1881 und Anton *1820 +1891, gemeinsam fortführten. Die Orgelbauerwerk-

statt wurde nach dem Tod von Anton F. im Jahre 1891 aufgelöst.

 

Franz Joseph Feller wurde als Sohn unseres Heimatortes in Königswald Nr. 173 am 29.4.1787 in eine

Schulmeisterfamilie hineingeboren. Sein Vater, der Schulmeister Ignaz Frantz Feller erlebte leider den

Aufstieg seines künstlerisch begabten Sohnes nicht mehr, da er bereis im Jahre 1813 verstarb. Nicht nur

der Vater, auch der Großvater Johann Georg der Urgroßvater Christian, der Ururgroßvater Johann Georg

und der Urururgroßvater, geboren um 1635, versahen in Königswald den Schulmeisterdienst.

 

Vater Ignaz Frantz F. war neben der Schule noch Musiker in der Königswalder Kirche und strebte danach,

die Kirchenmusik seiner Heimatkirche in gutem Zustand zu erhalten. Bei seinem Sohn Franz Joseph war

der Sinn für Musik ebenfalls gut ausgeprägt, so dass sich der Pfarrer veranlasst sah, den Jungen im Kir-

chenchor mitwirken zu lassen. Schon als Knabe schnitt sich der spätere Meister auf der Weide Holunder-

zweige ab und bastelte aus den Röhren Pfeifen. Als Achtjähriger baute er ein Kästchen und bestellte diese

kleine Windlade mit Pfeifen. Mittels Tasten setzte er das Werk in Betrieb und erfreute sich und seine Mit-

schüler damit. Dieses Instrument glich dem Aufbau nach einer kleinen Vogelorgel oder einer erweiterten

Panpfeife. Mit 12 Jahren fertigte er bereits Holzpfeifen und baute Sätze mit mehreren Oktaven. Vater Ignaz

Franz F. hatte jedoch anderes mit dem Jungen vor und unterband das ihm sinnlos erscheinende Treiben

und ließ ihn mit vollendetem 12ten Lebensjahr das Schneiderhandwerk erlernen. Oft jedoch vernachlässigte

der Schneiderlehrling wider Willen seine Obliegenheiten und heimste dafür Schelte und Schläge ein. Bald

ging er dazu über, den Vater zu täuschen. Im Hof des väterlichen Anwesens, den dieser neben der Schul-

meisterei betrieb, lagen große Holzstöße; Brennstoffe für den Winter. Einen dieser Holzstöße höhlte Franz

J. aus und schuf sich damit einen Raum für eine geheime Orgelbauerwerkstatt. Mitten im Material saß also

Franz und baute weiter an seinen Pfeifen. Mit 14 Jahren ließ sich der Junge nicht mehr halten und begann

unter den Augen des strengen Vateres Drehorgeln zu konstruieren. Er kaufte sich die nötigen Werkzeuge

und ging daran eine Orgel mit 2 Registern aus Holzpfeifen zu bauen, Gedakt 9 und Offenflöte 4, die auf

einer Schleiflade standen und 3 Oktaven umfassten. Das Schneiderhandwerk ernährte ihn zwar noch aber

das Orgelbauerhandwerk war seine Freude und seine künstlerische Befriedigung. Er erweiterte sein Kön-

nen sozusagen konzentrisch, er schritt vom Einfachen zum Schweren, vom Kunstlosen zum Kunstreichen

vor. Im Laufe der Geschichte vervollkommnete F.J.F. den eigentlichen Orgelbau. So wurde der Autodidakt

allmählich zum Könner. Eine der ersten größeren Orgeln lieferte er, noch immer ein Schneider seines Zei-

chens, der Gemeinde Niedergrund, Bezirk Tetschen.

 

1809 wurde Franz J. F., als Österreich mit Napoleon im Krieg lag, zur Truppe kommandiert. Seine musika-

lischen Kenntnisse kamen ihm zustatten und Franz wurde Militärmusiker. Mit der Regimentskapelle als

"Bandist" kam er durch zahlreiche österreichischen Kronländer, wo der aufgeweckte junge Mann reichlich

Gelgenheit hatte, die Orgeln der verschiedenen österreichischen und italienischen Meister zu besichtigen.

Bis 1813 war er Soldat, dann kehrte er nach dem Tode seines Vaters nach Königswald zurück. Nach dem

Krieg setzte nun die Tätigkeit Fellers als Orgelbauer ein.

Die Feller-Werkstatt gehörte zu den bedeutendsten Orgelbaufirmen der böhmischen Orgelromantik. Von

Franz J. Feller sind mindestens 35 Orgeln nachgewiesen. Auch die Peterswalder Kirche bekam eine Feller-

Orgel. Sein größtes Werk war die Orgel in der Klosterkirche Ossegg. Typisch für Feller ist die Orgel in Kar-

bitz. Feller baute auch in Sachsen so z.B. um das Jahr 1826 im Kloster Marienthal und 1828 in Chemnitz

eine Orgel auf. Leider sind diese Orgeln nicht mehr erhalten. Die größten Orgeln sind in Böhmisch Leipza,

Kulm sowie Bensen von 1871, erhalten.

Zum Kloster Sankt Marienthal hat die Familie Feller noch lange Zeit persönliche Kontakte, so wurde die Enkeltochter von Franz Joseph F., Tochter von Anton, mit Namen Augusta Gabriela, geb. am 11.9.1863

von der Äbtissin Gabriela Marschner des Klosters Sankt Marienthal über die Taufe gehalten.

 

Augusta Gabriela gebar am 2.2.1884 einen unehelichen Sohn. Jener führte in Königswald mit seinem Sohn

Fritz Feller einen Apparate- und Werkzeugbau bis zur Vertreibung 1945.

 

Die Entwicklung der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts zeigte, dass die von Feller befolgten Prinzipien

einer traditionell betonten Orgelbaukunst keine Nachfolge fand. Außer seinen Söhnen hatte Altmeister

Feller weder Schüler noch Nachahmer.

 

Die Familie der Orgelbauer Feller aus Königswald hat ihre Aufgabe erfüllt. Als treuer Hüter und Vorkämpfer

für ein Orgelideal, das dem Untergang geweiht schien, haben sich Vater Feller und seine Söhne eine his-

torische Stellung geschaffen.

 

Quellen: Aufzeichnungen des Kurt Hocke - zur Verfügung gestellt von Reiner Runge,

Königswalder Chronik, Matriken von Königswald

 

 

 

                                          Klosterkirche in Ossegg, Orgel aufgestellt 1836-39 von F. Feller d.Ä.