Johann Stiel, Geistlicher Rat (1963):

 

Glockenweihe in Peterswald am 28. Mai 1933

 

Wie anderswo zahlte auch Peterswald im ersten Weltkriege den Zoll in Verlusten an Menschenleben. Schmerzlich berührte ebenfalls der Verlust der schönen Kirchenglocken.

Unmittelbar nach dem Kriege bemühte sich Herr Dechant Alois Skliba um eine Stahlglocke, die in der Eisenhütte in Karbitz gegossen wurde.

 

An dem ersten Gelöbnistage, den ich als Pfarrer in Peterswald erlebte, dem 20.1.1933, dankte ich für alle liebevolle Sorge, die die Peterswalder unter der Leitung des verstorbenen Herrn Dechant Alois Skliba der Kirche hatten angedeihen lassen, wies auf unsere Verpflichtung hin, das Gotteshaus womöglich noch schöner kommenden Generationen zu hinterlassen, erwähnte das Glockenproblem und fügte hinzu, daß die Kirchensammlung dieses Gelöbnistages als Grundstock eines Glockenfondes verwendet werden soll. Wiewohl niemand von den Gläubigen von meinem Vorhaben wußte und niemand darauf vorbereitet war, ergab die Kirchensammlung den Betrag von 130 Kronen, ein Betrag, der die gewöhnlichen Sammlungen weit übertraf. In der Folgezeit wurde ein Glockenkomitee gegründet, in dem – soweit ich mich erinnern kann – vertreten waren: die Herren, Kühnel, Karl – Korl-Korl; Blumentritt; Kühnel, Max von der Sparkasse; Franze – Finanzinspektor, Wolf, Franz, Richter-Wenzel aus dem Oberdorfe; Kühnel, Hermann, Schulnazhermann.

Bestellt wurden drei Glocken bei der Gießerei Herold in Komotau. Sie stellten sich auf ungefähr 30.000 Kronen. Die Haussammlung im Orte wie einige Spenden von auswärts erbrachten diesen Betrag, ja noch einen Überschuß von ca. 2.500 Kronen, so daß noch ein Orgelmotor angeschafft werden konnte. In der Fastenzeit veranstaltete Herr Kliem zweimal ein Kirchenkonzert „Passion des Herrn“, bei dem Herr Fachlehrer Tscherney die Solostellen sang. Der Reinertrag wurde ebenfalls dem Glockenfonde zugewendet. Alle Mitwirkenden hatten auf jegliche Entschädigung verzichtet.

Am Vortag der Weihe, der 27. Mai, wurden die Glocken in das Dorf gebracht. In der Scheune des Herrn Schönbach, Josef – Hejselbauer- wurden sie über Nacht aufbewahrt und geschmückt.

 

In einem feierlichen Zuge wurden sie am 28. Mai auf den Sportplatz Tetschen gefahren. Dort hielt der Herr Katechet Johann Endler aus Tetschen die Fest-predigt, HH. Bezirksvikär Edmund Tobisch aus Teplitz-Schönau nahm die Weihe vor und feierte die hl. Messe.

 

Bereits in der dritten Nachmittagsstunde waren die Glocken aufgezogen, da in den Vortagen Herr Zimmermeister Kühnel die Umänderung des Glockenstuhles vorgenommen hatte. Vor der Kirche und auf den umliegenden Höhen warteten Ungezählte auf die ersten Töne. Freudentränen glänzten in den Augen auf. Laut wurde der verständliche Wunsch, mögen sie ungestört durch Jahrhunderte ihren Dienst versehen und möge niemals mehr ein Krieg sie dem Orte entreißen. Leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Anfangs 1942 mußten die zwei großen Glocken abgeliefert werden. Durch eine Vorsprache bei einem Kommissar im Landratsamte, den ich in Peterswald bei einer Luftschutznachtwache in vorgerückter Stunde kennengelernt hatte, gelang es, daß statt der kleinsten die mittlere gerettet werden konnte.

Am 6. Mai 1942, am Tage meiner Übersiedlung nach Aussig, wurden diese Glocken fortgeschafft.

.

(Quelle: Aussiger Bote)