Renate von Babka (2009):

 

Die Olympiade von 1936 und der Fackellauf durch Peterswald und Nollendorf

 

 

Im Jahre 1936 übergab Hermann Jeswick vom Schwimmverein Hellas Tetschen die Fackel an den ersten Läufer in Deutschland.

 

Damals vor 73 Jahren waren die Sudetendeutschen noch durch Staatsgrenzen vom Deutschen Reich getrennt.

 

Als bekannt wurde, dass das olympische Feuer auf seinem 2600 Kilometer langen Weg von Athen nach Berlin an der Grenze von Peterswald von einem sudetendeutschen Läufer einem Reichsdeutschen übergeben wird, war der Jubel groß. Was das für die Sudetendeutschen bedeutete, kann nur der ermessen, der die politischen Verhältnisse von damals noch in Erinnerung hat. Und das sind heute nur noch sehr Wenige.

 

Man schrieb also das Jahr 1936. Das Ausland war bereits auf die Sudetendeutsche Frage aufmerksam geworden. Trotzdem bedurfte es noch zäher Verhandlungen, um die Teilnahme zu erwirken. Der Schwimmverein Hellas Tetschen setzte sich mit Berlin und Prag in Verbindung und hatte Erfolg. Hier ist besonders Erich Klicpera zu erwähnen, der geschickt alles in Bewegung setzte, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Sechs sudetendeutsche Läufer – Hermann Jeswick, Josef Klieber, Erich Klicpera, Adolf Gierschik, Karl Simm und Karl Berger, hatten das Glück, die Fackel mit dem olympischen Feuer durch ein Teilgebiet des deutschen Sprachraumes in der Tschechoslowakei tragen zu dürfen. Hermann Jeswick übergab als Letzter die Flamme einem reichsdeutschen Läufer. Die Übergabe erfolgte an der Grenze Peterswald – Hellendorf. Es waren ein ungeheurer Jubel und eine Begeisterung ohnegleichen. Zu Tausenden säumten die Menschen die Straßen. Brieftauben wurden aufgelassen. Weite Anmarschwege wurden in Kauf genommen, nur um dabei sein zu können.

 

Hermann Jeswick berichtet:

 

Als der Lauf zu Ende war und ich mit meinem Stahlschaft, den jeder Läufer als Andenken behalten durfte, an der Reichsgrenze dem enteilenden Feuer nachsah, hielt ein Auto neben mir. Darin saß Leni Riefenstahl, die ja den offiziellen Olympia-Film gedreht hatte. Sie lud mich ein, nach Berlin zu kommen und ich bat, einen Freund mitnehmen zu dürfen, was auch bewilligt wurde.

Weil ich so an der Fackel hing, hat sie meine Frau bei der Ausweisung verpackt und in das Gepäck gesteckt. Auch 1956, bei der Flucht aus der Ostzone, wurde sie auf abenteuerlichen Wegen in den Westen gebracht. Mittlerweile lebe ich in Ludwigsburg-Oßweil. Mehr als 1000 Mark wurden mir schon für die Fackel geboten. Obwohl es mir manchmal gar nicht gut gegangen ist, würde ich mich für alles Geld der Welt nicht von diesem Stück trennen.